Eigentlich kann man über jedes Thema sagen: XYZ ist eine Wissenschaft für sich. Beim Fußball stimmt es aber vielleicht am meisten – es gibt zahlreiche Statistiken, Forschungen zu Strategien, Angriffszügen und mehr. Doch auch die Personen abseits des Spielfelds sind nicht uninteressant: Fußball-Fans. Diesen Menschen, die selbst bei eisigen Minusgraden im Stadion sitzen oder stehen und sich mitunter die Seele aus dem Leib schreien, ist die aktuelle Episode von Kopfkram vermittelt. Wir wollen euch zeigen, was dahinter steht, „ein Fan zu sein“. Außerdem geben wir euch eine kleine musikwissenschaftliche Einführung in Fangesänge und schauen, ob es fernab von der Bundesliga oder der  Champions League auch noch das gibt, was eingefleischte Fußball-Fans vielleicht als “wahren Fußball” bezeichnen würden.

Die Beiträge der Sendung im Einzelnen:

Identität durch Ausgrenzung? Diskriminierung im Fußball

Bei aller Euphorie für die vielen Facetten des Fanseins wäre es aber naiv zu denken, dass Fußball ein unproblematischer Raum ist. Fangesänge sind nicht gerade ein Beispiel für politische Korrektheit; es gibt jedes Wochenende Rangeleien zwischen den Anhängern von Fußballvereinen. Auch Amtisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit und zum Beispiel Homophobie sind im Fußball an der Tagesordnung. Hier wird die Fan-Identität häufig zum Ausgrenzungsmerkmal. – Teils wird der Fußball auch vorgeschoben oder instrumentalisiert, um seine eigenen kruden Fantasien nach außen zu transportieren.

Einer, der sich seit vielen Jahren mit diesen Seiten des Fußballs beschäftigt, ist Robert Claus. Er arbeitet mit vielen anderne Mitstreiterinnen und Mitstreitern in der Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit (KoFaS) an Mitteln und Wegen, wie sich die Probleme lösen lassen, die es in den Fanszenen gibt. Außerdem hat er Bücher über Antisemitismus im Fußball oder etwa Hooligans geschrieben.

Antisemitismus

Am 22. November 2017 fand das Spiel der Regionalliga Nordost zwischen Chemie Leipzig und Lok Leipzig statt. Im Vorfeld der Begegnung wurde in sozialen Netzwerken ein Bild verbreitet, auf welchem Anne Frank in einem Chemie Trikot zu sehen ist. Antisemitismus ist die wohl älteste Form der Diskriminierung im Fußball. Hinzu kommen auch immer wieder Vorfälle, die rassistisch sind. Diskriminierungen beim Fußball in Form von Antisemitismus und Rassismus sind keine Seltenheit. Trotzdem wird dieses Problem gerne verharmlost und verschwiegen. Aufgrund der zuletzt in Leipzig aufgetauchten Anne-Frank-Sticker hat Radio Corax mit Alex Feuerherdt und Robert Claus gesprochen und versucht, diese Form der Diskriminierung zu systematisieren.

Hooligans -Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik

Körperliche Gewalt scheint Menschen von jeher gleichzeitig abzustoßen und zu faszinieren. Allerdings gibt es für die meisten eine Grenze, wenn es darum geht, tatsächlich selber Gewalt einfach um den Spaß an der Gewalt auszuüben. Eine Subkultur, die sich darüber definiert diese Grenze zu überschreiten, sind die Hooligans. Immer wieder mal gibt es kurze mediale Aufschreie über Ausschreitungen rund um Fußballspiele, so zum Beispiel bei der EM 2016, seit einigen Jahren auch immer wieder um rechtsextrem auftretende Hooligans. Und obwohl die Hooligans schon seit 40 Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgen, wird im Zuge solcher Berichterstattung kaum mal die Hooliganszene in ihren größeren Zusammenhängen hinterfragt. Robert Claus hat sich genau dieser Aufgabe in einem Buch gewidmet, „Hooligans – Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik“ heißt dieses Buch.

Das sagt die Wissenschaft dazu

Auch in der Forschung spielt nicht nur das gemeinschaftsstiftende Gefühle im Fußball eine Rolle, sondern auch die Aus- und Abgrenzung. Forscherinnen und Forscher beleuchten auch die Personengruppen, die im Fußball (egal ob bei „großen“ oder „kleinen“ Vereinen) noch immer marginalisiert werden: Frauen, Homosexuelle oder etwa Geflüchtete. Dazu forscht unter anderen Prof. Dr. Nina Degele von der Universität Freiburg. Sie hat im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Studie zu Rassismus und Sexismus im Fußball veröffentlicht: zur Studie als PDF-Datei.

 

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